Prägung

Prägung

Definition: Allgemeine Bezeichnung für einen Lernvorgang innerhalb bestimmter lernsensibler Phasen oder Lebensabschnitte. Beispiel: Tieren sind bestimmte Instinkthandlungen angeboren. Für einige dieser Handlungen ist der Auslöser nicht angeboren, sondern muss während einer bestimmten Zeit (sensible Phase) erlernt werden. Dieser Vorgang heißt Prägung. Er ist unwiderruflich. Ist die sensible Phase verstrichen, kann die Prägung nicht nachgeholt werden. (Quelle)


In der Regel nehmen wir unseren Hund zu uns, wenn er ein Welpe ist. Er ist ungefähr acht bis 10 Wochen alt und ist somit in einer Entwicklungsphase, in der sich viel tut.welpenberg

In den kommenden Wochen würde ein Welpe, wenn er im Rudel bleiben würde, sich vermehrt in das Rudel integrieren. Er müsste lernen, sich auch mit den Rudelmitgliedern auseinander zu setzen, und er müsste vor allem lernen, dass Narrenfreiheit passé ist – er lernt Benimmregeln. Gleichzeitig rangeln die Geschwister untereinander weiter um Privilegien und man testet seine Stärke aus.

Es ist also wichtig, den Welpen jetzt in seine neue Menschenfamilie zu integrieren, wo im Prinzip das Gleiche abläuft wie in seinem Rudel: Ihr Welpen muss seinen Platz in der neuen Gemeinschaft finden.

Die Grundlagen hierfür, dass der Welpe vertrauensvoll sich in ihre Hände begibt, werden aber schon vorher gelegt. Der Einfluss des Züchters ist ein ganz wesentlicher. Die Sozialisierung beginnt mit der zweiten Lebenswoche eines Welpen. Der Züchter hat also nicht nur über die Auswahl der Elterntiere einen entscheidenden Einfluss auf die Anlagen des Hundes, sondern auch durch die Umgebung, in der die Hundebabys aufwachsen, bis sie abgegeben werden. Er legt den Grundstein. Deshalb sollten Sie, als Welpenkäufer, ein besonderes Augenmerk auf die Auswahl des Züchters legen. Ein Hundekind, IMGP1024welches inmitten einer geräuschvollen, lebhaften Menschenfamilie mit Kindern und vielleicht sogar anderen Haustieren seine ersten Lebenswochen verbringt und dabei gute Erfahrungen macht, hat keinen Anlass sich vor Unruhe, Menschen, Lärm oder anderen Haustieren zu fürchten.

Jetzt ist er also bei Ihnen. Hatte er vorher mit seiner Mutter einen klaren Rudelchef, braucht es jetzt einen Rudelführer, der ihm zeigt, was erwünscht und unerwünscht ist. Sie müssen ihn anleiten, wie es sich in der Gemeinschaft lebt, ihm aber auch die große weite Welt zeigen und ihm z.B. klarmachen, dass man eben bestimmte Dinge, die man nur allzu gern tun würde – z.B. einem Jogger hinterher zu rennen, weil er sich als Jagdbeute anbietet – nicht tun darf.

Ihr Welpe bringt alle Voraussetzungen mit: Er ist neugierig, lernbegierig, möchte in Ihnen einen Ersatz für den verlorenen Kontakt zur Mama, Geschwistern und seinen bisherigen Menschen finden – es liegt an Ihnen, nun die Entwicklung in die richtigen Bahnen zu lenken. Hier will ich nun nicht zum wiederholten Male auf welpenstundeverschiedenste Lernsituationen eingehen, denn hier soll es ja um Prägung gehen. Was das bedeuten soll, wurde ja schon Eingangs beschrieben. Die Umgebung, in der der Welpe aufwächst, seine Kinderstube, sowie sein neues zu Hause sind dafür „zuständig“ dem Welpen die große weite Welt näher zu bringen. Je früher er an die vielen Umwelteinflüsse gewöhnt wird, die auf ihn einstürzen, um so entspannter wird er damit umgehen, wenn er ein erwachsener Hund ist. Leider machen sich Prägungsdefizite häufig erst nach Abschluss der Pubertät, also mit der Geschlechtsreife, bemerkbar, also möglicherweise erst Monate später.

Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung den Neuhundebesitzern Welpenspielstunden jetzt nur ans Herz legen.

Eine Welpenspielstunde bietet  ihrem Welpen das, was Sie ihm nicht geben können: Kontakt zu (nahezu) gleichaltrigen Welpen. Aber

Welpenstunde
Welpenstunde

natürlich sollte eine Welpenspielstunde mehr sein: Sie sollte nicht nur Gelegenheit zu kontrolliertem Spiel geben, sondern sie sollte da anknüpfen, wo die Arbeit des Züchters aufgehört hat: den Welpen mit verschiedensten Herausforderungen zu konfrontieren, um seine geistige und motorische Entwicklung zu fördern, sein Selbstbewusstsein zu stärken, seine Umweltsicherheit zu festigen, dass fremde Menschen nichts sind, wovor man Angst zu haben braucht. Und weiterhin wird die vertrauensvolle Bindung zu ihnen gestärkt.  Eine Welpenspielstunde kann viel, aber das weiterführende, das in die richtigen Bahnen lenken, das obliegt Ihnen.

Nachstehend möchte ich Ihnen aus einem Buch, welches ich auch allen Welpenbesitzern „ans Herz“ legen möchte eine Liste mitgeben, was sie mit ihrem Welpen alles unternehmen sollten, wenn sie ihn gut vorbereiten möchten auf ein Leben als selbstbewussten und vertrauensvollen Begleiter.

Dabei bitte ich Sie, überfordern Sie ihren Welpen nicht. Wohldosiertes spielerisches Üben ist sinnvoller, als alles am besten auf einmal zu absolvieren. Weder der Kopf noch der kleine zarte Körper sollten bei einem Welpen überanstrengt werden. Vermeiden Sie übermäßigen Stress, es ist schwierig, in dieser Zeit gemachte Fehler wieder auszubügeln. Sie sollten Ihrem Welpen der Ruhepol und der Sicherheitsanker sein. Wir sprechen hier nicht von verhätscheln, aber ein Welpe sollte immer auch die Sicherheitszone kennen, die für ihn da ist. Ihn sich selbst zu überlassen war vielleicht früher mal die Meinung von Hundehaltern und auch in Welpenstunden ist mir dies begegnet. Nehmen Sie davon Abstand, denn Ihr Welpe muss, genauso wie er seine Umwelt kennen lernen muss, auch lernen, dass er ihnen vertrauen kann.  Bindung ist ein so wichtiger Bestandteil und Voraussetzung für stressfreies Lernen. So dass die erste Zeit eher für das Aufbauen der Bindung wichtig ist. Hat der kleine Wurm sich gut eingelebt, kann man sich NACH UND IMGP0375NACH an das Abarbeiten der verschiedenen Punkte machen.

  • Fahrt mit Bus, Bahn und Zug
  • Besuch auf einem Bahnhof
  • Fahrstuhlfahren, auch Glasfahrstühle
  • Besuch in einem Einkaufszentrum
  • Besuch eines Cafés – gerne Strassencafé
  • Bummel durch Fußgängerzone
  • Kaufhausbesuch
  • Verweilen auf einem großen Parkplatz
  • Besuch im Tierpark
  • Fahrt durch eine Waschstrasse
  • Mitnahme in eine Kneipe oder Restaurant
  • Freunde, Verwandte, Nachbarn mit einem Besuch beglücken
  • Längeres Verweilen in der Nähe eines Kinderspielplatzes (am besten mit spielenden Kindern=
  • Besuch von Stadtfesten oder dergleichen
  • Spazieren gehen in der Nähe eines Schießübungsplatzes
  • Besuch von Hundefreilaufflächen
  • Überqueren von Brücken jeglicher Bauart
  • Besuch beim Tierarzt ohne Behandlung, längeres Verweilen im Wartezimmer
  • Spaziergänge im Grünen an wechselnden Orten, Wald, Wiese, Feld – perfekt wären auch Gelände mit Bächen (also Wasser)
  • Ausflug aufs Land